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Hunde für motorisch Behinderte Die positiven Effekte, die Tiere auf Patienten ausüben können, sind bis zurück ins 18. Jahrhundert in der Literatur erwähnt. Erste Versuche erfolgten in York Retreat, einer Psychiatrischen Klinik, deren Verdienste weltweit anerkannt sind. Sie ermutigte Patienten als Teil des Rehabilitationsprogramms, Kaninchen und Geflügel zu betreuen. Aber es liegt erst etwa zwanzig Jahre zurück, dass wissenschaftliche Studien die Beziehungen zwischen Tieren und Menschen näher untersuchten, ebenso die praktischen Hilfen dieser Beziehung , die offensichtlich möglich sind. Es gibt heute in den USA und in Europa viele Organisationen, die Hunde als Hilfen für Behinderte ausbilden. Die Canine Companions for Independence in Santa Rosa, Kalifornien, ist eine dieser Organisationen. Seit mehr als 22 Jahren bildet sie Behindertenbegleithunde aus. Ihr Erziehungsprogramm ist in drei Kategorien aufgeteilt: service dogs (Behinderbegleithunde), hearing dogs (Hunde für Hörgeschädigte) und social dogs (Besuchshunde). Viele Schulen in Übersee betreiben ein ähnlich kombiniertes Ausbildungsprogramm. Dadurch können geeignete Hunde - einmal übernommen - entsprechend ihrer Fähigkeiten und ihrem Temperament in geeigneter Weise ausgebildet werden. Besonders häufig werden die Rassen Labrador und Golden Retriever als service dogs eingesetzt oder als assistance dogs - wie man sie auch nennt. Francis Hay, selbst schwer an Knochenkrebs erkrankt, gründete 1986 in England Dogs for the Disabled. Diese Organisation nahm einen steilen Aufschwung. Francis war eine große Hundeliebhaberin, glaubt, dass ihr eigener Haushund Kim ausgebildet werden könnte, um Aufgaben abzunehmen, die für sie immer schwieriger wurden. Öffnen und Schließen von Türen. Ein- und Ausschalten von Licht, Aufheben gefallener Gegenstände, Abholen des Milchkorbs, der Zeitung und der Post, das sind nur einige der Aufgaben, die Kim erlernte. Als Francis sich bewusst wurde, wie sehr ihr Hund ihr half, erkannte sie, dass dies auch für Menschen in ähnlichen Situationen etwas war, wovon sie große Vorteile hätten. Sie war eine entschlossne Dame, motivierte eine kleine Gruppe gleichgesinnter Familienmitglieder und Freunde - so wuchs aus kleinsten Anfängen die Organisation heran. Leider starb Francis 1990, aber ihr leidenschaftlicher Glauben an die Vorzüge von Behindertenbegleithunden wurde von Freunden und der Familie weitergetragen. Bereits 1988 ist die charity offiziell eingetragen worden.
Verbundenheit und Kommunikation
Biophilie Die Biopilie-Hypothese versucht, die Ursache der besonderen Beziehung zwischen Mensch und Tier zu erklären. Erstmals wurde sie 1984 von dem Biologen Edward O. Wilson in seinem Buch "Biophilia: The Human Bond with Other Species" ausgeführt und besagt, dass der Mensch ein angeborenes Interesse an allem Lebendem hat. Wilson geht davon aus, dass der Mensch eine emotionale Affinität zum Leben und zu lebensähnlichen Prozessen hat. Er setzt sich mit allen Lebensformen und Lebensprozessen auseinander und empfindet eine Verbundenheit mit allen lebenden Spezies (Olbrich/Otterstedt, 2003, s. 381). Somit gibt es eine "Verwandtschaft" zwischen Mensch und Tier, ein Bedürfnis des Menschen, eine Verbindung mit anderen Lebewesen einzugehen. Für den Menschen ist nicht nur der materielle Gewinn aus der Tierhaltung von Nutzen, das Tier dient dabei also lediglich als Nahrungs- und Kleidungslieferant, vielmehr kann er auch aus dem Verhalten der Tiere Informationen über seine Umwelt erhalten, die er wiederum für sein eigenes Leben und Überleben verwertet. Die Verhaltensweisen übertragen sich auf den Menschen, so haben beispielsweise Fische in einem Aquarium eine beruhigende Wirkung, während etwa ein Behindertenbegleithund vor Gefahren warnt und ihnen ausweicht. Der Mensch reagiert auf die Signale der Tiere, da er eine Bindung zu ihnen hat und diese ist Grundlage dafür, das Ausdrucksverhalten richtig zu deuten. Da auch Kinder, wie alle Menschen ein besonderes Ineresse an Lebendigem haben, kann davon ausgegangen werden, dass sie schon sehr früh das Tier als Kategorie verinnerlichen. Sie reagieren auffallend häufig auf Tiere und haben das Vermögen, auch wenn die Sprachentwicklung noch nicht abgeschlossen ist bzw. erst anfängt, durch Lautgebung nachzuahmen. Vielleicht sind sie manches Mal sogar ein Schlüsselreiz, um Stimme und Sprache zu entdecken. Somit sind sie in der Lage Tiere zu unterscheiden und ihnen Namen zu geben. Diese besondere Aufmerksamkeit, die gerade Kinder gegenüber den Tieren aufbringen, mag an der Lebendigkeit und Bewegung der "Verwandten" liegen, legt aber nach der Biophilie-Hypothese auch eine emotionale Verbindung zu ihnen nahe. Diese Verbindung ist daher sehr gut geeignet Interesse, gerade bei Kindern zu wecken, um eine erfolgreich pädagogische und therapeuthische Arbeit mit Tieren zu ermöglichen. Begründet ist dieses angeborene Interesse an Lebendigem durch den biologischen Prozess der Evolution. Der Mensch hat sich immer im Zusammenhang mit anderen Lebewesen entwickelt, hat sich stets an dem was die Natur gibt und wie sich die Lebewesen in ihr bewegen orientiert. Dazu gehörte es zwangsläufig, sich in gleichen Landschaften und Ökosystemen aufzuhalten. Diese enge Verbundenheit ist bis heute erhalten geblieben. "Es sind wirklich die Gründe, weshalb man ein Tier wie Topsy (oder Jofi) mit so merkwürdiger Tiefe lieben kann, die Zuneigung ohne Ambivalenz, die Vereinfachung des Lebens, von dem schwer erträglichen Konflikt mit der Kultur befreit, die Schönheit einer sich vollendeten Existenz. Und bei aller Fremdartigkeit der organischen Entwicklung doch das Gefühl einer inigen Verwandtschaft, einer unbestrittenen Zusammengehörigkeit. Oft, wenn ich Jofi gestreichelt, habe ich mich dabei ertappt, eine Melodie zu summen, die ich ganz unmuskalischer Mensch als die Arie aus dem Don Juan erkennen musste: Ein Band der Freundschaft bindet uns beide..... (Sigmud Freud an Marie Bonaparte, 6 Dez. 1936 (zit. n: Rheinz, 1994, S. 82)
Du-Evidenz "Noch bist du für mich nichts als ein kleiner Junge, der hunderttausend kleinen Jungen völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt...." (Saint -Exupéry, 1988, S. 93f) Mit diesem Zitat aus "Der kleine Prinz" wird deutlich, was unter Du-Evidenz zu verstehen ist. Sie bezeichnet die Tatsache, dass Menschen und höhere Tiere eine Beziehung miteinander eingehen können, die denen gleicht, die Menschen bzw. Tiere untereinander eingehen. Dabei geht die Initiative zumeist vom Menschen aus, ob das Tier diese Evidenz erwidert oder nicht bleibt dabei unerheblich, von Bedeutung ist die "subjektive Gewissheit, es handle sich bei einer solchen Beziehung um Partnerschaft" (Greiffenhagen, 1991, S.26). Auch Teutsch seht es als unwesentlich an, ob die Du-Evidenz auf Gegenseitigkeit beruht, sie ist vielmehr "auch einseitig möglich und das setzt keine rational verarbeitete Wahrnehmung des anderen voraus, sondern beruht auf Erleben und Emotionen" (Teutsch in: Gebhardt, 1994, S. 15). Die Du-Evidenz stellt die Grundlage für eine Beziehung zwischen Mensch und Tier und einer nonverbale Kommunikation dar und ist eine "unumgängliche Voraussetzung dafür, dass Tiere therapeutisch und pädagogisch helfen können" (Greiffenhagen, 1991, S. 28) Tiergestützte Pädagogik und Therapie Das Tier als Dialogpartner kann Heilungsprozesse bei erkrankten Menschen auslösen, bzw. sie unterstützen. Dieses Ziel kann durch verschiedene Interaktionen und Tiere verfolgt werden, schon alleine der Blickkontakt kann verschiedene Empfindungen auslösen. Gerade unerwartete Kontakte zwischen Mensch und Tier können Impulse geben für einen heilenden Prozess. Lässt der Mensch sich auf einen Kontakt ein, von dem er keine bestimmten Erwartungen hat und im Unterschied zu menschlichen Begegnungen kein handlungsleitendes Motiv verfolgt, sondern sich vielmehr abwartend und gespannt gegenüber einer neuen Situation verhält, so mögen sich Wirkungen auf Körper, Geist und Seele einstellen. Diese sind z. B. Muskelentspannung und Veränderung der Pulsfrequenz, ehöhte Konzentration, verbale und nonverbale Kommunikationsförderung sowie die Steigerung des Selbstwertgefühls und das Empfinden von Vertrauen bzw. die Stärkung des Selbstvertrauens. Die vertrauenssteigernden Begegnungen geschehen auf der Grundlage der unvoreingenommenen Annahme des Gegenüber. Das Tier kennt den Menschen nicht als fehlbares Wesen, es kennt die jeweilige Vergangenheit nicht, so dass es ihm auch nicht bewertend gegenüber steht. Es ist ausschließlich der gegenwärtige Augenblick von Bedeutung, der den Menschen womöglich aus seiner Isolation herauslockt, Erinnerungen wachruft und so neuerliche Gefühlsregungen hervorruft (dies ist insbesondere im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen wichtig) oder durch die bloße Anwesenheit Freude und ein damit einhergehendes Wohlgefühl verursacht. Am therapeutisch wirksamsten ist die freie Begegnung zwischen Mensch und Tier. Deutlich wird hier, dass nicht allein das Tier Impulse für heilende Przesse auslöst, sondern vielmehr die freie Begegnung zwischen Mensch und Tier als therapeutisches Mittel genutzt wird. D. h. der Therapeut verfolgt ein bestimmtes Therapieziel und nutzt das Tier also als Mittler, bzw. als Auslöser für die beim Klienten forcierten Verhaltensäußerungen bzw. veränderungen. Dem Tier werden hierbei keine bestimmten Verhaltensweisen abverlangt, es bleibt dem gemeinsamen Begegnungsfeld überlassen, in welcher Form eine Annäherung stattfindet. Anhand der Beobachtungen dieser Begegnung, kann der Therapeut einiges über Charakter und Eigenschaften des jeweiligen Klienten ablesen. Reagiert dieser ängstlich, distanziert oder zurückhaltend, geht er auf das Tier zu, gestaltet er die Begegnung förderlich, ist er dominant, herrisch oder einnehmend all das kann dem Therapeuten Aufschluss über das Sozialverhalten des Klienten geben. Eine Hinwegtäuschung über den tatsächlichen Gemütszustand ist in diesem freien Feld der Begegnung nur schwer möglich, denn gerade Tiere vermögen hier hinsichtlich der Authentizität des Klienten sehr feinfühlig Stimmungsschwankungen wahrzunehmen. Das Tiere überhaupt in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit hilfreich sind offenbart ihr lebendiges Wesen. Im Gegensatz u leblosen Dingen kann der Mensch eine Beziehung zu einem Tier aufbauen, sein Atem, die durchdringenden Augenkontakte, der Geruch und das warme Fell lassen keinen Zweifel über das Leben im besonderen als auch das Leben überhaupt aufkommt. Der Mensch (ICH) also kommt nicht umhin das Tier (zunächst ES) in der ersten Begegnung als ein lebendiges Subjekt (DU) anzuerkennen und steht in Folge dessen mit dem Tier in einer Beziehung. Nun aus rationalen, interessegeleiteten Verstandesüberlegungen heraus liesse sich diese Beziehung noch verleugnen, was einer Versachlichung des Tieres entspricht. Wie sie sich im Verlauf gestaltet, welche subjektiven Wahrnehmungen sich einstelen und welche heilenden Prozesse ausgelöst werden ist auch die Aufgabe des Therapeuten im Sinne des Therapieziels. D. h. also, dass es der Verantwortung einer professionellen tiergestützten Pädagogik und Therapie obliegt, die Begegnung zwischen Mensch und Tier stetig interessant zu gestalten, aktuell und problematische Beziehungen einzugehen, auf positive Tendenzen bestärkend einzugehen und Überforderungen, sowohl des Menschen als auch des Tieres u erkennen und entsprechend zu reagieren, um positive Effekte zu erzielen und nachhaltig zu bewahren, so dass das Potential der Mensch-Tier-Beziehung vollends genutzt werden kann und nicht in einer Starre verharrt. So kann die therapeutische Beziehung zu dem Gegenüber, dem Du, durch eine gemeinsame Kommunikationsebene stattfinden, alleine die Bestätigung einer Imitation des Dialogpartners kann dann ein Gefühl des Angenommenwerdens erzeugen und alternative Kommunikationswege oder den Zugang zu neuen Dialogpartnern eröffnen. Dies wiederum geschieht nicht durch kognitive Prozesse, sondern durch die Loslösung von Ich-bezogenen Zweifeln und Ängsten, so dass durch die Annahme des Du eine Steigerung des Selbstwertgefühls und- bewusstseins einhergeht, körperliche, geistige und seelische Kräfte sowie soziale Talente be- bzw. gestärkt werden (vgl. Olbrich/Otterstedt, 2003, S.65). So, dies waren nun ein paar Ausführungen, die für Sie vielleicht nicht so interessant sind, die aber wichtig für die Arbeit mit behinderten Menschen und Hunden/Tieren relevant sind.
Nun ein paar Informationen zu der Tätigkeit meiner Hunde.
Attila wird überwiegend zum streicheln, berühren, ansehen, beschnuppern, schmusen eingesetzt. Durch sein ruhiges Wesen, wirkt er beruhigend auf seine Umgebung und dem Menschen. Es gibt Menschen mit Behinderungen, die ein wenig ängstlich sind, wenn Attila kommt, diese Menschen verlassen den Raum und kommen wieder, wenn Sandro kommt. Ich arbeite mit beiden Hunden, setze sie aber getrennt ein.
Sandro arbeitet und spielt mit den Menschen. Der Mensch mit Behinderung lernt sich auf eine bestimmte Aufgaben zu konzentrieren. Sandro geht auf den Menschen ein und lässt sich von ihm Anweisungen geben. Ares ist zur Zeit in der Flegelphase. Er muss nun sehr viel lernen und wird erst wieder mit in die Werkstatt genommen, wenn er 13 Monate alt ist.
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